Paul Tillich
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Modul 15

Gott ist nicht

Tillich in der Konfirmandenarbeit — eine Doppelstunde über Gottesbilder

Diese Fassung stammt aus dem Archiv und ist redaktionell noch nicht geprüft.

Bearbeitungsdauer

90 Minuten (eine Doppelstunde)

Aufteilung

Ankommen und Galerie
25 Minuten
Der Satz, der stört
20 Minuten
Was dich unbedingt angeht
30 Minuten
Schluss
15 Minuten

Material

Text

Zielgruppe

Konfirmandinnen und Konfirmanden, 13 bis 14 Jahre. Auch im Religionsunterricht der Sekundarstufe I einsetzbar.

Übersicht

Konfirmandinnen und Konfirmanden bringen Gottesbilder mit, ohne es zu wissen: den Belohner, den Aufpasser, den Obristen. Tillich hat sein Leben lang bestritten, dass Gott so etwas ist. Diese Einheit bringt beides zusammen — mit Klebepunkten, einem Satz, der Widerspruch auslöst, und der Frage, was einen unbedingt angeht.

Kompetenzen

  • Die Jugendlichen können benennen, welche Gottesbilder ihnen im Alltag begegnen, und beschreiben, was diese Bilder über das Verhältnis von Mensch und Gott aussagen.
  • Sie können in eigenen Worten wiedergeben, warum Tillich sagt, Gott sei kein Wesen neben anderen Wesen — und warum ihm der Satz „Gott existiert“ zu wenig ist.
  • Sie können an einem selbstgewählten Beispiel beschreiben, was sie unbedingt angeht, und prüfen, ob Tillichs Rede davon ihre eigene Erfahrung trifft.

Lernteil

Konfirmandinnen und Konfirmanden haben Gottesbilder, lange bevor sie im Unterricht darüber sprechen. Meist sind es geerbte: der Gott, der belohnt, wenn man anständig ist. Der Gott, der zuschaut. Der Gott, der hinter den Mächtigen steht. Der Gott, der sich abgemeldet hat. Diese Bilder werden selten ausgesprochen, aber sie sind da, und sie entscheiden darüber, ob jemand mit dem Wort „Gott“ überhaupt noch etwas anfangen kann.

Paul Tillich hat sein Leben lang bestritten, dass Gott so etwas ist. Sein schärfster Satz dazu lautet: Gott existiert nicht. Er ist kein Wesen neben anderen Wesen, kein Ding im Inventar der Welt, über dessen Vorhandensein sich streiten ließe. Wer Gott zu einem Gegenstand macht — und sei es zum größten und mächtigsten —, hat ihn nach Tillich bereits verfehlt. Gott ist der Grund von allem, was ist.

Das ist für Vierzehnjährige nicht zu schwer. Es ist nur ungewohnt. Der Satz „Gott existiert nicht“ löst in jeder Gruppe Widerspruch aus, und genau darin liegt seine didaktische Kraft: Er zwingt dazu, das eigene Gottesbild überhaupt erst auszusprechen. Wer widerspricht, sagt damit, was er sich vorstellt. Erst danach lässt sich fragen, ob das trägt.

Der zweite Tillich-Gedanke, der in dieser Altersgruppe funktioniert, ist die Bestimmung von Religion als dem, was einen unbedingt angeht. Sie nimmt der Frage nach dem Glauben das Prüfende. Es geht nicht darum, ob jemand die richtigen Sätze für wahr hält, sondern darum, was tatsächlich zählt — und ob es trägt, wenn es darauf ankommt. Jugendliche haben darauf Antworten, auch wenn sie mit Kirche nichts anfangen können.

Was diese Einheit nicht will

Sie will Tillich nicht erklären. Der Name kann fallen, muss aber nicht. Sie will auch nichts widerlegen: Wer nach der Doppelstunde weiterhin an einen Gott glaubt, der zuschaut, hat nichts falsch gemacht. Das Ziel ist kleiner und schwerer — dass die Jugendlichen einmal bemerkt haben, dass sie ein Bild von Gott haben, und dass ein Bild etwas anderes ist als die Sache selbst.

Material

Sieben Plakate im Format A4 quer, je ein Gottesbild mit kurzer Beschreibung. Klebepunkte in zwei Farben, fünf je Person. Ein Blatt mit dem Satz „Gott existiert nicht“, groß gedruckt. Zettel und Stifte für den anonymen Teil, eine Schale.

Die Plakate stammen aus der Praxis im Kirchspiel West; sie lassen sich in einer Stunde selbst schreiben. Wichtig ist, dass die Bilder nicht albern klingen — die Jugendlichen sollen sich in mindestens einem davon wiedererkennen.

Hinweis zur Leitung

Der anonyme Teil bleibt anonym. Zettel, die jemand vorgelesen bekommt, sind keine ehrlichen Zettel mehr. Wer möchte, kann von sich aus erzählen; gefragt wird niemand.

Die Einheit endet ohne Auflösung. Das ist kein Versäumnis, sondern die Konsequenz aus Tillichs Ansatz: Ein Gottesbild, das man am Ende mitgeteilt bekommt, ist wieder ein Bild.

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Herkunft

Erstellt von

Simon Luthe, Pastor in Wesselburen und Neuenkirchen

Stand

Entwurf, Fassung 2026. Noch nicht in der Praxis erprobt.

Rechte

paultillich.de — Entwurf für die Konfirmandenarbeit, CC BY-SA 4.0