Paul Tillich
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Modul 13

Komparative Theologie

Tillich als Vermittler und Dialogpartner zwischen den Religionen

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Bearbeitungsdauer

180 - 240 Minuten

Material

Audio

Übersicht

Dieses Modul beschäftigt sich mit Komparativer Theologie. Wie kann Tillichs Verständnis von God as "Ground of Being" zum Verständnis und zum Bürckenschlag mit anderen Religionen verhelfen.

Kompetenzen

  • Sie können erklären, was Komparative Theologie von einer allgemeinen Religionstheologie unterscheidet, und Tillichs Ort in dieser Unterscheidung bestimmen.
  • Sie können darstellen, warum Tillichs Rede von Gott als „Ground of Being“ als Anschlussstelle für das Gespräch mit anderen religiösen Traditionen — etwa dem Konfuzianismus — in Anspruch genommen wird.
  • Sie können die Reichweite und die Grenzen von Tillichs Dialogverständnis begründet einschätzen, einschließlich der Frage, ob eine christliche Kategorie als gemeinsamer Boden taugt.

Lernteil

Originalaufnahme · Audio

Introduction

0:20 · Teil 1 der neunteiligen Reihe — vollständig unter „Tillich hören“

0:000:20

Komparative Theologie geht anders vor als die klassische Religionstheologie. Sie stellt nicht von außen ein Ordnungsschema auf, in das sich die Religionen der Welt einsortieren lassen, sondern arbeitet sich an einer anderen Tradition konkret ab: an einem Text, einem Begriff, einer Praxis. Der eigene Standpunkt wird dabei nicht aufgegeben, sondern mitgeführt und im Verlauf der Beschäftigung verändert. Wer komparativ arbeitet, kehrt aus der fremden Tradition mit einer neuen Frage an die eigene zurück.

Paul Tillich ist für dieses Vorgehen aus einem bestimmten Grund attraktiv. Seine Bestimmung Gottes als „Grund des Seins“ — nicht als ein Seiendes neben anderen, nicht als höchstes Wesen im Inventar der Welt — löst die Gottesfrage von der Vorstellung eines personalen Gegenübers. Damit entsteht eine Kategorie, die auch dort ansprechbar bleibt, wo eine Tradition mit einem persönlichen Gott gar nicht arbeitet. Lawrence A. Whitney nutzt sie in seiner Forschung zum Konfuzianismus genau so: als Zugang, der ein Gespräch eröffnet, ohne die konfuzianische Tradition vorab zu einer defizitären Form von Religion zu erklären.

Dass Tillich sich auf dieses Feld überhaupt einlässt, gehört zu seinem Spätwerk. Die Reise nach Japan im Jahr 1960, die Begegnung mit Zen-Buddhismus und Shintoismus, hat ihn erkennbar bewegt; die Vorlesungen „Christianity and the Encounter of the World Religions“ von 1963 sind ihre Frucht. Tillich selbst hat später gesagt, er würde seine Systematische Theologie neu schreiben, wenn er noch einmal anfinge — im Gespräch mit den Religionen der Welt.

Die Grenzen dieses Zugangs gehören zur Sache. Der „Grund des Seins“ ist eine christlich-philosophische Kategorie mit einer Vorgeschichte bei Schelling und in der abendländischen Ontologie. Wer sie zur gemeinsamen Ebene erklärt, auf der sich alle Religionen treffen, hat den Boden des Gesprächs bereits mit eigenem Material ausgelegt. Ob das ein legitimer Anfang ist oder eine feine Form der Vereinnahmung, lässt sich nicht abstrakt entscheiden — sondern nur an konkreten Fällen, wie sie dieses Modul vorführt.

Die Abschnitte des Gesprächs

Das Gespräch liegt im Hörbereich unter Tillich im interreligiösen Gespräch — neun Abschnitte, jeder einzeln abspielbar.

  1. Introduction (0:20)
  2. Begegnungen mit Tillich (1:25)
  3. Tillich in a nutshell (1:21)
  4. Tillich als Mittler zwischen den Religionen (1:48)
  5. What is a religion? (0:48)
  6. Konfuzianismus (1:09)
  7. Identity and tradition in Confucianism (2:08)
  8. Tillich as partner for different religions (0:49)
  9. Bonus: The future of the Paul Tillich Society (1:56)

Lawrence A. Whitney berichtet von seinem Erstkontakt mit Paul Tillich und warum Tillich ein idealer Gesprächspartner und Vermittler im Gespräch mit anderen Religionen ist. Lawrence A. Whitney forscht zum Konfuzianismus und nutzt Tillichs Überlegungen zum “God as ground of being” als Zugang.

Ilona Nord interviewt Lawrence A. Whitney, am 22.11.2019 in San Diego.

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Herkunft

Erstellt von

Jan Christian Pinsch, Universität Paderborn, in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Evangelische Theologie II der Universität Würzburg.

Stand

Fassung 2020.

Rechte

paultillich.de / NeoLecture