Paul Tillich
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Modul 14

Love, Power and Justice

The Six Nations and Tillichs notions of justice

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Bearbeitungsdauer

180 - 240 Minuten

Material

Text

Übersicht

Dieses Modul beschäftigt sich intensiv mit dem Werk: Love, Power and Justice. Verna Ehret gibt einen Einblick in Ihre Erfahrungen mit Tillichs Werk und dem Umgang der US Regierung mit der Nation der Seneca in der Region von Pittsburgh. Tillichs Bemerkungen zur Gerechtigkeit sind besonders anschlussfähig in der Frage nach dem Umgang mit Rassismus.

Kompetenzen

  • Sie können darstellen, wie Tillich in „Love, Power and Justice“ (1954) das Verhältnis der drei Begriffe bestimmt, und erklären, warum Gerechtigkeit für ihn eine Form der Liebe und nicht deren Gegenspieler ist.
  • Sie können den Konflikt um das Land der Seneca-Nation im Zusammenhang mit dem Kinzua-Staudamm in Grundzügen darstellen und als Fall von unrechtmäßig ausgeübter Macht beschreiben.
  • Sie können Tillichs Gerechtigkeitsbegriff auf gegenwärtige Fragen nach Rassismus und struktureller Gewalt anwenden und begründet einschätzen, was er dabei leistet und was er offenlässt.

Lernteil

“Love, Power and Justice” geht auf Vorlesungen zurück, die Tillich 1952 in Aberdeen und Nottingham gehalten hat; 1954 erscheint der Text als Buch. Tillich setzt darin gegen eine verbreitete Anordnung an: Liebe gilt gemeinhin als das Weiche, Macht als das Harte, Gerechtigkeit als die kühle Regel dazwischen. Die drei erscheinen als Größen, die sich gegenseitig in Schach halten — wer liebt, verzichtet auf Macht; wer Gerechtigkeit will, muss die Liebe zurückstellen.

Tillich bestreitet diese Anordnung. Für ihn sind die drei Begriffe nicht Konkurrenten, sondern in ihrer Wurzel zusammengehörig. Liebe ist bei ihm kein Gefühl, sondern der Drang zur Wiedervereinigung des Getrennten. Macht ist die Fähigkeit eines Seienden, sich selbst zu behaupten, auch gegen Widerstand — an sich weder gut noch böse, sondern eine Bedingung dafür, dass überhaupt etwas ist. Und Gerechtigkeit ist die Form, in der die Liebe wirksam wird, wenn es um mehr als zwei Menschen geht: Sie gibt jedem, was ihm als diesem Einzelnen zusteht. Liebe ohne Gerechtigkeit wird sentimental, Gerechtigkeit ohne Liebe wird zur bloßen Zuteilung, und Macht ohne beide wird zur Gewalt.

Wie tragfähig ein solches Begriffsgefüge ist, zeigt sich an einem konkreten Fall. Verna Ehret bringt Tillichs Überlegungen mit dem Konflikt um das Land der Seneca-Nation zusammen. Beim Bau des Kinzua-Staudamms am Allegheny River wurden Anfang der 1960er Jahre rund 40 Quadratkilometer Land der Seneca überflutet — Land, dessen Unantastbarkeit die Vereinigten Staaten den Seneca 1794 im Vertrag von Canandaigua zugesichert hatten. Über tausend Menschen mussten ihre Häuser verlassen, Gräber wurden umgebettet. Rechtlich war der Vorgang gedeckt; der ältere Vertrag wurde einfach überschrieben.

Genau an solchen Fällen wird Tillichs Unterscheidung praktisch. Eine Macht, die sich durchsetzt, ohne dem Recht des Anderen Rechnung zu tragen, verfehlt nicht nur die Liebe, sondern zerstört ihre eigene Grundlage. Ehret zieht daraus eine Linie zur Gegenwart: zum Umgang mit den Native American Tribes und weiter zur Frage nach Rassismus als einer Struktur, die Menschen systematisch das vorenthält, was ihnen zusteht. Tillichs Begriffe sind alt genug, dass sie nicht auf diese Debatten hin zugeschnitten wurden — und das macht sie als Prüfinstrument brauchbar.

Die Abschnitte des Gesprächs

Das Gespräch liegt im Hörbereich unter Religion und Gewalt — Tillich und die Seneca-Nation — fünf Abschnitte, jeder einzeln abspielbar.

  1. Opening and Introduction (3:03)
  2. What one book would you take on a lonely island? (2:54)
  3. Religion and Violence — Love and Power (3:11)
  4. The Seneca and the Five Nations (1:33)
  5. Tillich’s notions of justice (4:29)

Verna Ehret berichtet von Ihrer Faszination für Paul Tillich und wie Sie mit dessen Werken in Berührung gekommen ist. Ausführlich berichtet Sie von Ihrer Arbeit mit den Six Nations und insbesondere dem Unrecht das der Seneca Nation angetan wurde. Tillichs Bemerkungen zur Gerechtigkeit spielen für Ihre Perspektive auf den zukünftigen Umgang mit den Native American Tribes eine wichtige Rolle.

Ilona Nord interviewt Verna Ehret, am 23.11.2019 in San Diego.

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Herkunft

Erstellt von

Verna Ehret / Ilona Nord

Stand

Fassung 2020.

Rechte

paultillich.de / NeoLecture