Paul Tillich
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Modul 10

Tillich und Judentum

Tillichs Stellungnahmen zu Antisemitismus und christlich-jüdischem Verhältnis

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Bearbeitungsdauer

90 - 120 Minuten

Material

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Übersicht

Das Modul thematisiert Tillichs Brief: "Die jüdische Frage"

Kompetenzen

  • Die Bearbeitenden können den historischen und biographischen Ort von Tillichs Stellungnahmen zum Judentum benennen — seine frühe öffentliche Gegnerschaft zum Antisemitismus ebenso wie die Vorlesungsreihe „Die Judenfrage — ein christliches und ein deutsches Problem“ von 1952/53.
  • Sie können Tillichs Argumentation gegen den Antisemitismus in ihren Grundzügen wiedergeben und erklären, warum er ihn nicht nur als politisches, sondern als theologisches Problem des Christentums behandelt.
  • Sie können kritisch prüfen, an welchen Stellen Tillichs Sprache und Begrifflichkeit dem Denken seiner Zeit verhaftet bleibt, und ihr Urteil am Text belegen.

Lernteil

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Paul Tillich gehörte zu den wenigen deutschen Theologen, die sich früh und öffentlich gegen den Antisemitismus gestellt haben. Das kostete ihn seine Stelle: 1933 wurde er als einer der ersten Professoren aus dem Frankfurter Lehrbetrieb entfernt und ging in die Vereinigten Staaten. Die Frage nach dem Verhältnis von Christentum und Judentum hat ihn danach nicht losgelassen — sie ist bei ihm keine Randfrage der Religionskunde, sondern eine Frage an das Christentum selbst.

Am ausführlichsten hat er sich in der Vorlesungsreihe „Die Judenfrage — ein christliches und ein deutsches Problem“ dazu geäußert, die er 1952/53 in Berlin hielt. Der Titel enthält bereits das Argument: Der Antisemitismus ist für Tillich nicht ein Problem, das Jüdinnen und Juden haben, sondern eines, das Christen und Deutsche haben. Er sucht die Wurzeln entsprechend nicht in der Politik der Jahre 1933 bis 1945 allein, sondern in einer langen christlichen Vorgeschichte — in der Enterbungslehre, im Bild vom verworfenen Volk, in einer Theologie, die das Judentum als überholt behandelt.

Zugleich gehört zur ehrlichen Lektüre, dass Tillichs Sprache nicht durchweg über ihrer Zeit steht. Schon die Rede von einer „Judenfrage“ ist eine Formulierung, die von der Täterseite stammt und die er übernimmt. An einzelnen Stellen argumentiert er mit Zuschreibungen, die heute als Teil des Problems gelten, das er bekämpfen will. Das entwertet den Text nicht, aber es verbietet, ihn ungeprüft als Vorbild zu zitieren. Wer ihn liest, liest ihn doppelt: als frühen Widerspruch und als Dokument seiner Zeit.

Das Modul stellt dafür einen Podcast mit den historischen und biographischen Hintergründen bereit. Die Aufgaben führen von der Einordnung über die Erschließung des Arguments zur kritischen Prüfung der Sprache — und enden bei der Frage, was von dieser Argumentation heute noch trägt.

Aufgaben – Hinweis

Hier finden Sie Bearbeitungsempfehlungen und Aufgaben.

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Herkunft

Erstellt von

Jan Christian Pinsch, Universität Paderborn, in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Evangelische Theologie II der Universität Würzburg.

Stand

Fassung 2018.

Rechte

paultillich.de / NeoLecture

Bildnachweis

Gruppenaufnahme des National Council on Religion in Higher Education, Keuka College. Hamilton, Penn Yan, New York (Fotografenvermerk auf der Aufnahme). Familienbestand Ted Farris, zur Verfügung gestellt für dieses Projekt, 7. September 1938. Mit ausdrücklicher Erlaubnis von Ted Farris. Der Fotografenvermerk „Photo by Hamilton — Penn Yan, N.Y.“ steht auf der Aufnahme.